KI ist in unseren Unternehmen längst keine Zukunftsmusik mehr – sie ist Realität. Ist KI ein Hype oder ein echter Mehrwert? Die Frage stellt sich heute kaum noch. Die eigentliche Frage lautet: Haben wir die Kontrolle über das, was in unseren Teams mit KI passiert? Wir müssen aufhören, KI nur als Software-Update zu betrachten. Es ist ein neues Betriebssystem für unsere Zusammenarbeit.
Mein heutiger Gast auf KInspiration ist Jeannine Huwyler. Ihn ihrem KI-Wort zum Sonntag beleuchtet Sie ein Phänomen, das viele eurer Organisationen aktuell unterschätzen: Die «Schatten-KI». Bevor ihr den nächsten grossen Schritt in Richtung Automatisierung plant, solltet ihr ihre Gedanken dazu lesen. Denn ohne ein gemeinsames Verständnis wird aus Potenzial schnell Unsicherheit. Hier ist Jeannines Impuls für euch:
KI im Unternehmen: Zwischen Hype und Unsicherheit fehlt oft die Orientierung
Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell intensiv mit dem Thema Automatisierung. Die Erwartungen sind hoch, Prozesse sollen effizienter werden, Abläufe schneller, Kosten reduziert. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Grundlage für diese Entwicklungen ist in vielen Fällen noch nicht ausreichend geklärt.
KI ist längst im Alltag angekommen
Künstliche Intelligenz hat in vielen Organisationen bereits Einzug gehalten. Allerdings selten als Ergebnis einer klar definierten Strategie. Viel häufiger entwickelt sich der Einsatz schrittweise im Alltag.
Mitarbeitende testen Tools wie ChatGPT, erstellen Texte, fassen Inhalte zusammen oder lassen sich E-Mails formulieren. Einige nutzen diese Möglichkeiten aktiv, andere sind zurückhaltend oder unsicher. Führungskräfte bewegen sich dabei oft in einer Zwischenrolle zwischen Interesse und fehlender Übersicht.
Das Phänomen der „Schatten-KI“
In vielen Unternehmen entsteht daraus ein Zustand, der zunehmend als „Schatten-KI“ bezeichnet wird. Künstliche Intelligenz wird genutzt, ohne dass klare Regeln, Transparenz oder eine gemeinsame Abstimmung vorhanden sind.
Beobachtungen aus Studien und der Praxis zeigen, dass Unternehmen aktuell oft schneller im Ausprobieren sind als im systematischen Verstehen und Einordnen der Technologie.
Zwischen Anspruch und Unsicherheit
In Gesprächen mit Entscheidern zeigen sich immer wieder ähnliche Aussagen. Der Wunsch, sich mit KI zu beschäftigen, ist klar vorhanden. Ebenso der Druck, mit anderen mitzuhalten oder Prozesse zu automatisieren.
Gleichzeitig wird häufig eingeräumt, dass der Überblick fehlt. Diese Unsicherheit ist kein Einzelfall, sondern ein verbreitetes Muster. Viele Unternehmen sammeln erste Erfahrungen, ohne bereits klare Leitlinien oder einheitliche Standards etabliert zu haben.
Das eigentliche Problem liegt tiefer
Das zentrale Problem liegt dabei weniger in der Anzahl der eingesetzten Tools, sondern im fehlenden gemeinsamen Verständnis innerhalb der Organisation.
Während ein Teil der Mitarbeitenden KI bereits regelmässig nutzt, sind andere unsicher im Umgang oder kennen die Möglichkeiten kaum. Gleichzeitig fehlt es Führungskräften oft an Transparenz darüber, wie und wofür KI konkret eingesetzt wird.
So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Potenzial und Unsicherheit, verstärkt durch die unkoordinierte Nutzung im Sinne dieser „Schatten-KI“.
Wenn Klarheit fehlt, entstehen Risiken
Im Arbeitsalltag tauchen dadurch grundlegende Fragen auf. Darf man interne Inhalte in KI-Tools eingeben. Wie geht man mit sensiblen Daten um. Wer überprüft die Qualität von Ergebnissen und welche Anwendungen sind sinnvoll, welche eher riskant.
Ohne klare Antworten entsteht ein Graubereich. In diesem Bereich steigt die Wahrscheinlichkeit für Fehler, etwa durch die unbewusste Weitergabe sensibler Informationen oder durch ungeprüfte Inhalte.
Warum KI mehr ist als eine Software
Künstliche Intelligenz lässt sich nicht wie eine klassische Software einführen. Sie verändert Arbeitsweisen, Entscheidungsprozesse und Kommunikation innerhalb eines Unternehmens.
Deshalb braucht es vor der Automatisierung vor allem eines, ein gemeinsames Verständnis.
Organisationen, die hier ansetzen, schaffen eine tragfähige Grundlage. Sie entwickeln ein gemeinsames Basiswissen, klären den Umgang mit Daten, stärken das Qualitätsbewusstsein und definieren klare Regeln für den Einsatz im Alltag.
Erst die Basis, dann die Automatisierung
Erst wenn diese Grundlage vorhanden ist, kann Automatisierung ihr Potenzial sinnvoll entfalten. Ohne diese Basis bleibt der Einsatz von KI oft fragmentiert und schwer steuerbar.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Unternehmen KI nutzen, sondern wie strukturiert und bewusst sie damit umgehen.
Aus der Praxis heraus entstanden
Genau aus dieser Situation heraus hat sich auch mein Fokus in der Arbeit mit Unternehmen entwickelt. In den letzten Monaten habe ich immer wieder beobachtet, dass nicht die Tools das eigentliche Problem sind, sondern das fehlende gemeinsame Verständnis im Team, oft sichtbar in Form von unkoordinierter „Schatten-KI“.
Deshalb unterstütze ich Unternehmen dabei, genau diese Basis aufzubauen. Häufig direkt vor Ort mit ganzen Teams, aber auch in kleineren Formaten oder mit einzelnen Personen. Ziel ist dabei immer dasselbe, Unsicherheiten abbauen, ein gemeinsames Verständnis schaffen und erste klare Leitlinien entwickeln, die im Alltag funktionieren.
Denn erst wenn diese Grundlage vorhanden ist, wird KI im Unternehmen zu einem echten Fortschritt, und nicht zu einem weiteren Unsicherheitsfaktor.
Ein grosses Dankeschön an Jeannine Huwyler für diesen wertvollen Gastbeitrag. Ich wünsche euch allen einen entspannten und erholsamen Sonntag.

Konzept Idee und Umsetzung von: David Guntern, CEO Digital Marketing GmbH und KI-Marketing-Experte und Co-Founder von „Die Marketing Experten„


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